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23 - Errichtung einer Leinwandfabrik und Seidenweberei

Im Jahre 1793 kam Christian Polykarp Friedrich Erxleben, geboren am 3.7.1765 in Parensen bei Göttingen Bez. Hannover nach Landskron und heiratete die einzige Tochter der Familie Pernikarcz, Anna Viktoria Theresia. Als Mitgift brachte diese eine Weberei, eine Druckerei, eine Brettmühle, eine Brennerei und das Obrigkeitliche Branntweinhaus mit. Erxleben kaufte im Jahre 1802 von dem damaligen Grundherrn, dem Fürsten von und zu Liechtenstein die Tatzermühle Haus-Nr. 51 in Zohsee. Erxleben ließ große Gebäude erbauen, in denen er eine Leinwandfabrik mit Druckerei und Mangel einrichtete, zu deren Betrieb die Wasserkraft der Mühle verwendet wurde. Zu dieser Mühle gehörten nur wenige Grundstücke. Als aber der Bauernhof Nr. 59 einer Feuersbrunst zum Opfer fiel und der Besitzer, ein verwaister junger Bursche, bei Verwandten in Lußdorf ein Unterkommen fand, kaufte Erxleben die Grundstücke im Ausmaß von 24 ha, um auf ihnen 1808 eine Leinwandbleiche von etwa 20 Hektar anzulegen. Die Bleiche erstreckte sich über einen großen Teil der angrenzenden Landskroner Angerflur. Auch die Walkmühle und ein Bleichgebäude, die spätere städtische Försterei, gehörten zum Betrieb. Es konnten etwa 10.000 Schock Leinwand gebleicht werden. Der großartige Gesamtbetrieb, der vielen Menschen Arbeit und Verdienst gab, wurde zu einem der größten dieser Art in ganz Österreich ausgebaut. Die fertige Leinwand wurde hauptsächlich an den Ärar geliefert. Damals wurde die Anlage auch von einem Erzherzog und dem Statthalter von Böhmen mit dessen Gemahlin besichtigt. Der Erzherzog hat mit einem Holzschaffel Wasser auf die bleichende Leinwand gegossen. Auf der Bleiche befanden sich mehrere kleine Wasserbecken. Das Holzschaffel wurde einem Museum übergeben.
Erxleben richtete auch eine große Musterlandwirtschaft ein. Gleichzeitig tat er viel zur Verschönerung des Dorfes und der Umgebung, indem er Gärten, Alleen und Baumgruppen anlegen ließ. Auf einer Lehne, unweit des Fabriksgebäudes, dem Eichenrand, wurden Eichen gepflanzt, deren Stämme als Wellen für die Wasserräder verwendet wurden. Einige Eichen dieser standen noch bei der Heimatvertreibung der Zohseer Bewohner. Alle Bauten Erxlebens trugen gebrochene Satteldächer nach holländischer bzw. niederdeutscher Bauart, weshalb sie von den landesüblichen Gebäuden abstachen. Auch die Häuser, Polak Nr. 101 und des Kalousek-Schmied, Nr. 111, ließ er bauen.

Leider war diese gewerbliche Blüte nicht von Dauer. Nach dem Tode des Gründers im Jahre 1831 ging sie mehr und mehr zurück und im Jahre 1858 erwarb Eligius Demel, Baumeister in Landskron, dessen Gattin ein Erbin des Besitzers war, die Bleichanlage und die Landwirtschaft um den Betrag von 326.000 Florin (Gulden).

Die Waik (Walkmühle), das Bleichgebäude (das spätere Forsthaus) und die Felder, sowie sie auf dem Kataster der Stadt Landskron lagen, kamen im Jahre 1858 für den Betrag von 8.000 fl. an Landskron zum Verkauf. Von nun an kam es nicht mehr zu einer einheitlichen Nutzung der Gebäude. Die folgenden Besitzer beschränkten sich auf die Führung der 28 ha großen Landwirtschaft. Die Mühle, nun neue Mühle genannt, wurde wieder zur Mahlmühle und verpachtet. Es folgten mehrere Pächter wie: Karl Gregor, Arzt, Heider, Winkler, Biermann, Bernhard Katzer und kurze Zeit in eigener Regie des Besitzers Johann Heger. In dieser Zeit ließ Heger die Mühle überholen. Der letzte Pächter vor der Ausweisung war Hans Müller (Thomamüller Hans). Trotz allem aber hat das große Beispiel, das Erxleben durch seine bedeutenden Unternehmungen in Zohsee gegeben hat, in der Gemeinde auch für die folgende Zeit nachgewirkt.

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