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26 - Industriebetriebe in Zohsee

Um 1860 kaufte Färbermeister Johann Skalitzki das Haus Nr. 56 von Johann Hofmann und gründete hier eine Baumwolldampffärberei, die er durch Errichtung einer Werksätte mit Trockenanlage, Maschinenhaus, Dampfkessel und Kamin zu einem beachtlichen Gewerbebetrieb entwickelte. Gearbeitet wurde hauptsächlich für die Faktoren in Landskron und Mährisch Rothwasser. Die noch freien Fabriksgebäude, die für landwirtschaftliche Zwecke nicht beansprucht waren, blieben lange Jahre ungenutzt. Später mietete sie die Wiener Firma Schopper & Stodolowski und richtete hier eine Handweberei für Möbel- und Kirchenstoffe ein, die sich sehr günstig entwickelte. Trotzdem auch viele Hausweber beschäftigt waren, reichten die verfügbaren Räume bald nicht mehr aus. Die Firma mietete in dem gegenüberliegenden, im Jahre 1866 neuerbauten Erbgerichtsgebäude Nr. 1, einige Räume dazu. Nach kurzer Zeit wurde dann hier der alte Schafstall abgebrochen und ein neuer Websaal, genannt die "lange Werkstatt", gebaut. Der Hauptbetrieb und die Verwaltung wurden dann in diese Gebäude verlegt. Diese Firma hatte 150 Leute beschäftigt.


Die ehemalige Leinwandfabrik, von rückwärts gesehen

Als diese jedoch durch die Fabriken aus dem Wirtschaftsleben verdrängt wurden, ging auch die Färberei nach 1900 wieder ein. Um 1920 richtete Alois Janisch und Vinzenz Schöberle in diesem Gebäude einen Holzverarbeitungsbetrieb (Kisten und Kistenteile) ein. Vor dem Gebäude wurde eine neue Gattersäge erstellt.
Im Jahre 1937 erwarb dann Vinzenz Schöberle die Spittelmühle, die er zu einem leistungsfähigen Betrieb (ein Zweigatter-Sägewerk, Lokomobil, Schreinerei und Kistenteile) umgestaltete. Bretterstapel aller Sorten lagerten zum Verkauf. Das Gebäude Nr. 56 kaufte 1941 Bindermeister Rudolf Jahna aus Landskron und verlegte seinen Bindereibetrieb hierher. Aufträge zur Erzeugung besonders großer Krauttonnen lastete den Betrieb voll aus.


Die Spittelmühle und das Rundholzlager der Fa. Schöberle

Nachdem der junge Fabriksherr Stodolowski sich im Jahre 1901 in Landskron an der Schillerstraße ein neues Fabriksgebäude erbauen ließ und den Betrieb im Jahre 1902 dorthin verlegte, kam die Seidenweberei Weissenstein & Winternitz in die bisher von Stodolowski benützten Räume. Bald folgte die Firma Casy & Kemp. Auch diese Firma konnte sich wegen Zahlungsschwierigkeiten kaum lange halten. Schon 1906 übernahm der bisherige Betriebsleiter Karl Thoma die Einrichtung und führte den Betrieb auf eigene Rechnung weiter. Im Jahre 1911 trat Webereidirektor Hans Janisch in die Firma Thoma ein. Der Betrieb wurde auf mechanische Weberei umgestellt, was die Aufstellung einer Dampfmaschinenanlage erforderlich machte. Das Unternehmen nahm einen raschen Aufschwung. Erzeugt wurden in der Hauptsache Kleiderseidenstoff und Seidentücher. Im Jahre 1926 kaufte die Firma die Gebäude der stillgelegten Seidenweberei Löw in Landskron, welche durch Zubauten erweitert wurde. Thoma übersiedelte dorthin und Dir. Janisch blieb in Zohsee und verlegte sich auf die Erzeugung von Krawattenstoffen. Im Jahre 1927 kaufte der Direktor Janisch von der Besitzerin der Erbgerichtsgebäude, Josefa Frank, die Gebäude mit den noch dazugehörigen 10 ha großen Grundstücken; ferner von dem Bauern Richard Peschl, Haus-Nr. 65 ein Restgrundstück.


Das ehem. Erbgericht und der neue Websaal der Firma Janisch

Bald genügten die zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten nicht mehr dem aufstrebenden Betrieb und Janisch ließ 1938 einen neuen großen Websaal von 1.600 qm sowie einen hohen Kamin für die Dampfheizung bauen und auf das Modernste einrichten. Vor der Vertreibung liefen 106 mechanische Webstühle und die dementsprechende Anzahl Vorbereitungsmaschinen. Jede Maschine wurde separat mit einem Elektromotor angetrieben. Dazu war ein eigener Transformator notwendig. Beschäftigt waren zu Kriegsende 150 Leute. Der Fabriksdirektor mit Angehörigen und die treuen Werksangehörigen wurden gewaltsam in verschiedene Landesteile Westdeutschlands und nach Mitteldeutschland vertrieben.


Die beiden Gebäudeteile, Mangel und Druckerei. Rechts das Kirchlein und die Pestsäule


Die Försterei, früher war es Bleichgebäude

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