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54 - Preußisch-Österreichischer Krieg und erster Weltkrieg

Ein besonderes Ereignis für das Dorf war das Kriegsjahr 1866. Nach der verlorenen Schlacht der Österreicher bei Königgrätz gegen die Preußen, erreichten die sich auf fluchtartigem Rückzug auf die Festung Olmütz befindlichen Österreichischen Truppen am 19. Juli 1866 des Dorf Zohsee. Nachdem die Truppenverpflegung nicht mehr klappte, wurde die Bevölkerung hart bedrängt. Doch schon 4 Tage später folgten die Preußen, die aber Ordnung und Disziplin bewahrten und auch die Bewohner nicht belästigten. Viele junge Männer hielten sich in den umliegenden Wäldern verborgen, da sie fürchteten mitgenommen zu werden. An den Kämpfen mußten auch mehrere wehrfähige Männer aus Zohsee teilnehmen. Der Bernhard Pitterle von Haus-Nr. 38 (Thomamühle) ist bei Königgrätz gefallen und der Hubert Müller erhielt eine Tapferkeitsauszeichnung.

Während der kurzen Besatzung wurden nach einer Tanzunterhaltung in Olbersdorf nahe der Ortsgrenze zwei preußische Soldaten erschlagen. Da man die Täter nicht ermitteln konnte, wurde gedroht, den damaligen Gemeindevorsteher Johann Langer d.Ä. als Geisel an einem Pferdeschweif angebunden zum Militärgericht schleifen zu lassen. Zum Glück wurde jedoch noch festgestellt, daß die Rauferei noch auf Olbersdorfer Gebiet stattgefunden hatte und damit die Repressalie unterblieb.

Im gleichen Jahr nahmen auch zwei junge Zohseer an der siegreichen Seeschlacht bei Lissa (Dalmatien) gegen Italien unter Admiral Tegethof teil; es waren der Marineingenieur Wenzel Müller aus der Thomamühle; er wurde 1904 von Kaiser Franz-Josef I. in den Adelsstand erhoben und der Matrose Karl Peschl von Haus-Nr. 99. Beide erwarben sich Tapferkeitsauszeichnungen.

Im Jahre 1894 fanden die großen Kaisermanöver im Schönhengstgau statt. Auch Zohsee war tagelang ein Heerlager. Besonders die vielen Reiterregimenter, Ulanen, Husaren und Dragoner, die oft in stundenlangen Kolonnen durch das Dorf ritten, machten in ihren bunten Uniformen viel Aufsehen. Der Kaiser Franz Josef I. wohnte während dieser Tage im Gymnasium in Landskron. Der Kaiser überquerte mit seinem Stab und Gefolge von Landskron kommend den Ort Zohsee zwischen Haus-Nr. 55 & 56, ritt über die Wiese von Nr. 75 und hatte auf dem Manövergelände zwischen Zohsee und Lußdorf den Hergang des Manövers beobachtet. Viele Menschen von weit und breit waren gekommen, um den Kaiser und seine Soldaten zu sehen.


Kaiser Franz Josef I. 1894 im Manövergelände bei Landskron

Ehrung des Grundbesitzers Josef Langer von Haus-Nr. 75 durch Sr. Majestät Karl I. Kaiser von Österreich im Sommer 1917

Dem Herrn Langer, dessen 6 Söhne und Schwiegersöhne im Felde standen, wurde am 3.6.1917 in feierlicher Form ein Ehrengeschenk Sr. Majestät durch den Herrn k. u. k. Bezirkshauptmann Alexander Hlava in Landskron persönlich überreicht. Der Sohn Oberleutnant Kubert Langer hatte den Herrn Bezirkshauptmann abgeholt. Das Dorf war beflaggt, besonders die Schule war mit Wappen, Fahnen und Blumen prächtig geziert. Vor der Schule erwarteten den Bezirkshauptmann der Vorsteher mit den Gemeinderäten, die Lehrer, Abordnungen der Vereine und die Bewohner des Ortes. Die älteste Enkelin, die Bürgerschülerin Irma Wendlig begrüßte den ankommenden Herrn mit folgenden Worten: Als älteste Enkelin des heute ausgezeichneten lieben Großvater, bitte ich Euer Hochwohlgeboren diese Blumen als Zeichen der Hochachtung, Freude und Dankbarkeit entgegen zu nehmen. Sodann wurde das überglückliche Mädchen mit einem kostbaren goldenen Schmuck beschenkt.
Beim Eintreten in das Schulgebäude sangen die Schüler das Kaiserlied. Der Turnsaal war mit einer Fülle von Blumen geschmückt. Die Bilder Kaiser Karls, Franz Josefs I. und Kaiser Wilhelms traten aus dem Laubgewinde hervor.
Es wurde ihm die Familie Langer vorgestellt und danach sprach der Gemeindevorsteher Franz Richter folgende Worte:

"Hochgeehrter Bezirkshauptmann! Als Vorsteher dieser Gemeinde bin ich der überaus großen Ehre teilhaftig, sie im Namen der ganzen Bevölkerung zu begrüßen und herzlich willkommen zu heißen. Ein seltener Anlaß hat sie heute in unsere Mitte geführt und ich kann die Versicherung geben, daß sich alle Gemeindemitglieder über den allerhöchsten Gnadenbeweis herzlich freuen und vollauf der Ehre bewußt sind, daß Euer Hochwohlgeboren persönlich die Überreichung vornehmen. Der Ernst der Zeit macht es uns unmöglich ein großes Fest zu veranstalten. Was wir aber zu bieten vermögen, kommt aus dankbaren patriotischen Herzen, aus Liebe zu unserem kaiserlichen Herrn, aus Liebe zum Vaterland."

Hierauf nahm das Wort der Herr Bezirkshauptmann und sprach:

"Verehrte Anwesende! Für die freundlichen Worte der Begrüßung sage ich Ihnen Herr Gemeindevorsteher den besten Dank und versichere, daß ich gern und freudig nach Zohsee gekommen bin. Gilt es doch heute einen der Ihren und durch diesen die ganze Gemeinde zu ehren, die zu allen Zeiten in loyalster Weise patriotisch und hilfsbereit in jeder Einsicht bestätigt hat. Über meinen Antrag wurde dem Herrn Josef Langer, Grundbesitzer von Nr. 75 der heuer auch das 50-jährige Jubiläum als selbständiger Bauer feiert, von Seiner Majestät ein Ehrenzeichen verliehen, welches ich ihm heute zu überbringen mich freudig beeile.

Unser Josef Langer, geb. 14.2.1848 war in erster Ehe mit Marie Motz vermählt. Dieser Ehe entsprossen die Söhne Johann geb. 7.5.l874, Grundbesitz Nr. 74 dzt. Korporal im k.k. Schützenregiment Nr. 30; dann Franz geb. 18.5.1877, Ingenieur dzt. Korporal bei der Flugzeugübernahmestelle Berlin, sowie die Töchter Marie, vermählt mit dem Fabriksdirektor Joh. Janisch in Märisch-Schönberg, und Rosa, verehelichte Wendlig, Grundbesitzer in Zohsee Nr. 69.

Nach dem erfolgten Ableben der ersten Gattin am 28.6.1882 vermählte sich Herr Langer am 15.11.1883 mit Viktoria Pischl aus Pobres. Diese Gattin schenkte ihm die Söhne Josef geb. 31.5.1887, dzt. Feldwebel im k.k. Brigadewirtschaftsamt; Richard geb. 9.1.1891, Kunstakademiker, dzt. Leutnant im k.k. zweiten Tiroler Kaiserjäger-Regiment; Hubert geb. 1.10.1892, Oberleutnant im k.k. 2. Regt. der Tiroler Kaiserjäger und Sohn Rudolf geb. 29.6.1895, Webmeister dzt. Unterjäger im k.k. Feldjäger-Bataillon "Kopal" Nr. 10 und die Töchter Anna und Auguste.

Kit berechtigtem Stolz blicken heute und in Zukunft nicht nur die Angehörigen, sondern die ganze Gemeinde auf die tapferen Söhne, die oft und oft in diesem schweren Ringen gegen die übermächtigen Feinde unseres geliebten Vaterlandes ihr Blut und Leben einsetzten in der Verteidigung der teuren Heimat. Als dauerndes sichtbares Zeichen für hochverdiente Taten tragen alle bereits ihre hervorragenden Kriegsauszeichnungen, und zwar erhielten:

Der Oberleutnant Hubert Langer das Signum Laudis und die silbernen Tapferkeitsmedaillen I. und II. Klasse für hervorragende Tapferkeit und umsichtine Führung in Rußland und am Monte Piono. Der Leutnant Richard Langer die silberne Tapferkeitsmedaille für bewiesene Tapferkeit am Lovcen in Montenegro. Der Korporal Johann Langer zweimal die bronzene Tapferkeitsmedaille in den Kämpfen bei Kowel in Rußland.
Der Unterjäger Rudolf Langer erwarb sich die bronzene Tapferkeitsmedaille im Juli 1916 in der Durchbruchsschlacht bei Rudina.
Der Schwiegersohn Wenzel Wendling, Offizierstellvertreter, eine hervorragende Zierde des k.k. Landsturminfanterie-Rgt. Nr. 11, der bei Lublin und in den letzten drei Isonzoschlachten mit beispiellosem Mut und unübertrefflicher Tapferkeit stritt, wurde mit der goldenen, der großen silbernen zweimal und mit der kleinen silbernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet.

Sr. Majestät geruhen in Anerkennung dieser außerordentlichen Leistungen für die Ehre und Größe des Staates über meinen Antrag Ihnen, sehr geehrter Herr Langer, dieses herrliche Ehrenzeichen als bleibendes Andenken an die Großtaten ihrer heldenmütigen Söhne in diesem furchtbaren Kriege zu verleihen und es gereicht mir zum besonderen Vergnügen, Ihnen hiermit diese Statuette zu überreichen.
Meiner herzlichen Gratulation zu dieser Auszeichnung füge ich noch den Wunsch bei, sie mögen sich mit Ihrer vortrefflichen Gattin noch recht viele Jahre in Glück und Frieden an Ihren guten, braven Kindern und Enkelkindern erfreuen."

Das kaiserliche Geschenk war eine künstlerische Darstellung eines Tiroler Kaiserschützen in vollster Rüstung, der einen Felsblock ersteigend, auf den Pückel gestützt, die Augen mit der Hand beschattet, nach dem Feinde späht.

Sichtlich gerührt erwiderte ihm Josef Langer folgendes:
"Hochgeehrter Herr Bezirkshauptmann. Ich bitte Sie, meinen und meiner Familie ergebensten Dank für die freundlichen Worte entgegenzunehmen, mit welchen sie die Überreichung des allerhöchsten kaiserlichen Geschenkes begleitet haben. Dieses Geschenk wird mir und meiner Frau die Freude unseres Alters und unseren Kindern eine Mahnung an die jetzige große Zeit sein, das Vaterland mit ganzem Herzen zu lieben.
Ich wage daran die Bitte zu knüpfen, unseren ehrfurchtsvollsten Dank an die Stufen des kaiserlichen Thrones Sr. Majestät gelangen zu lassen mit dem Gelöbnis, daß meine ganze Familie jederzeit bereit ist, mit Gut und Blut einzustehen für Kaiser und Vaterland."

Die Rührung die sich der Anwesenden bemächtigt hatte, wurde noch vermehrt, als der Herr Lehrer Knapek Herrn Langer und seiner Gattin namens der ganzen Einwohnerschaft beglückwünschte. "Verehrter Herr Langer! Die kaiserliche Huld und Güte, die sich ohne Unterlaß über alle Untertanen des Habsburger Reiches ergießt, hat Ihnen und Ihrer geschätzten Familie eine hohe Freude bereitet. Das persönliche Erscheinen Euer Hochwohlgeboren des geehrten Herrn k.k. Bezirkshauptmanns und die Anwesenheit so vieler Mitbürger unseres Ortes sagt Ihnen, wie sehr wir alle an ihrem Ehrentage Anteil nehmen und wie sehr wir uns mit Ihnen an der erhabenen Güte Sr. Majestät des Kaisers freuen. Wir alle wissen, mit welchen väterlichen Sorgen und Opfern Sie die Erziehung Ihrer Kinder geleitet haben, die jetzt alle in der Welt einen ehrenvollen Platz in der menschlichen Gesellschaft einnehmen und die auch auf dem Schlachtfeld ehrenvoll gekämpft und geblutet haben. Ihnen zur Seite stand Ihre allverehrte und geliebte Frau, das Muster einer treuen Gattin, fürsorglichen Mutter und besorgten Hausfrau, die Kummer und Sorge, Freud und Leid mit Ihnen geteilt und als guter Engel des Hauses gewaltet hat.
Mit inniger Freude beglückwünsche ich Sie an diesem Tage, wo Ihnen das Glück zuteil wird, den allerhöchsten Dank zu ernten für Ihre gebrachten Opfer. Ich wünsche Ihnen im Namen aller Gemeindemitglieder von ganzem Herzen, daß Sie sich der erhaltenen kaiserlichen Auszeichnung noch viele Jahre erfreuen möchten und daß Ihre tapferen Söhne und der Schwiegersohn gesund und siegesfroh recht bald in die Heimat zurückkehren möchten. Möge das allerhöchste Ehrengeschenk, das gewiß ein Heiligtum Ihrer Familie bleiben wird, dem Haus Glück und Segen bringen für alle Zeit."

Den Dank an den Herrn k.k. Bezirkshauptmann namens der Gemeinde und das Gelöbnis der Treue brachte der Oberlehrer Emanuel Portele mit folgenden Worten vor: "Hochgeehrter Herr Bezirkshauptmann! Wir folgen nicht nur den Geboten der Pflicht, sondern einem wahren Herzensbedürfnis, wenn wir Euer hochwohlgeboren für Ihr Erscheinen nicht minder aber für die ehrenden und auszeichnenden Worte, mit denen Sie die Übergabe des allerhöchsten Gnadenbeweises begleitet haben, den ergebensten Dank zum Ausdruck zu bringen. Wir alle betrachten Ihr Erscheinen als eine Auszeichnung der ganzen Gemeinde und werden diesen Ehrentag in unauslöschlicher Erinnerung behalten. Nehmen auch Euer Hochwohlgeboren das feierliche Gelöbnis entgegen, daß die Bewohner der ganzen Gemeinde in felsenfester Treue zu Kaiser und Reich stehen und daß wir alle in dieser schweren und ernsten Zeit unserer Pflichten gegen das Vaterland vollauf bewußt sind.

Stehen doch von den 242 männlichen Einwohnern des Ortes rund 124 unter den Fahnen und 28 haben sich das Ehrenzeichen der Tapferkeit erworben. Zwanzig waren verwundet worden und 12 haben ihre Treue zum Kaiser mit ihrem Heldentod besiegelt. Aber auch die Zurückgebliebenen sind nicht untätig geblieben. Alt und Jung haben sich in den Dienst der Kriegsfürsorge gestellt und nicht nur die Wohlhabenden, sondern auch die Armen haben ihre Sparpfennige als Kriegsanleihe auf den Altar des Vaterlandes niedergelegt. Und obgleich der Wind rauh ist, der über unsere Fluren weht und karg die Scholle ist, welche uns nährt, so haben wir doch alle schaffenden Hände geregt, um dem Staat die Mittel zum wirtschaftlichen Durchhalten zu bie- ten. Unsere Schule, unsere Gemeinde soll eine Pflanzstätte bleiben, in der sittliche, patriotisch denkende und handelnde Menschen herangezogen werden, die in freudiger Entscheidung bereit sind, Gut und Blut auf dem Altar des Vaterlandes niederzulegen und die in der Einheit, Macht und Größe Österreichs ihre Lebensaufgabe erblicken. Und nun verehrte Anwesende, lassen sie uns die Gefühle welche uns heute bewegen in dem Gedanken an unseren erhabenen Kaiser zusammenfassen, der uns gelobt hat, ein gütiger und gerechter Herrscher zu sein. Ihm wollen wir die gleiche Treue halten und jene Liebe entgegenbringen wie unserem hochseligen Kaiser.
Ich weiß mich eines Sinnes, wenn ich in dieser weihevollen Stunde ausrufe: Seine Majestät, unser gnädigster Kaiser und Herr, Karl I. er lebe hoch, hoch, hoch!"
Alle Anwesenden sangen die 4. Strophe der Volkshymne.
Der Bezirkshauptmann verließ nach der Feier das Schulgebäude um dann noch Herrn Josef Langer in seinem Anwesen einen Besuch abzustatten.

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im Schönhengstgau