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57 - der Anschluß ans Reich 1938

Nun begann ein Aufatmen, als die gespannte Lage vorüber war. Am 10. Oktober 1938 rückten die ersten deutschen Truppenverbände von Grulich kommend in den Schönhengsgau ein. Marscheinheiten auf dem Weg nach Mährisch Trübau und Mährisch Schönberg passierten den Ort. Unter anderen Einheiten hielt sich für acht Tage die 13. Kompanie Regt. 83 der Hirschberger Jäger aus dem Riesengebirge hier auf. Das Parken der schweren Infanterie-Geschütze (15 cm Kaliber) und leichten IG (7,5 cm Kal.) erfolgte hinter der Fabrik neben der Straße nach Lußdorf. Die Pferde der bespannten Einheit konnten im Rohbau des neuen Websaales der Firma Janisch untergebracht werden. Der Hauptmann und Kompaniechef Schmidt-Bardeleben war beim Oberlehrer Knapek und die Mannschaft mit Offizieren und Unteroffizieren in den einzelnen Privatquartieren des Orts untergebracht. Die Kompanieküche verteilte an Arbeitslose und arme Leute Gratisessen und die Soldaten halfen auch bei der Kartoffelernte (Erpelklauben). Schon 14 Tage nach dem erfolgten Einmarsch und Besetzung des Sudetenlandes rückten diese Verbünde wieder in ihre Truppenunterkünfte ab und alles geschah onne Blutvergießen, sondern mit herzlicher Aufnahme durch die Bevölkerung.

Bald waren die Arbeitsiosen in den Arbeitsprozeß eingegliedert und einige hatten eine gute Stellung erhalten. Das Wirtschaftsleben nahm einen guten Aufschwung. Es traten geregelte Preise ein und die Landwirtschaft konnte ihre Produkte gut absetzen. Jetzt wurden wieder Arbeitskräfte gesucht im Handel, Handwerk, der Industrie und Landwirtschaft.

Doch es blieb nicht alles so rosig. Bald setzten auch Verhaftungen ein. Der Ortsbewohner und Fabriksarbeiter Josef Zornig von Haus-Nr. 100 wurde kurz eingeliefert aber bald wieder entlassen. Alle Parteien und Vereine die dem NS-Geist entgegenstanden mußten ihre Tätigkeit einstellen und der Vermögensbeschlagnahme entgegensehen. Unter der breiten Bevölkerung machte sich eine gewisse Unzufriedenheit bemerkbar.

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im Schönhengstgau