Bericht vom Blutgericht von Landskron

Auszug aus dem Buch "Heimat Kreis Landskron" [01] von Franz Gauglitz:

"Vor dem Landratsamt hatte sich das tschechische "Volksgericht" Tische hingestellt. Vorsitzender Hrabácek aus Weipersdorf [Výprachtice] - später Vorsitzender des nationalen Bezirksausschusses (Landrat) -, Hejl ebenfalls aus Weipersdorf (später Vorsitzender des nationalen Ortsausschusses) und Gendarmerieoffizier Polak (Leiter der Gendarmerie) u.a. nahmen Platz, auch eine Frau. Bis gegen 19 Uhr verhängten sie Urteile am laufenden Band. - Von tschechischer Seite heißt es: "Am 17. Mai 1945 wurde Landskron durch eine Kompanie des 30. Infantrieregiments aus Hohenmauth [Vysoké Mýto] besetzt." - Am 18.5. gegen 17 Uhr machte die Kaufmannsfrau Heider diesem makabren Schauspiel ein Ende. Sie hatte ihr Haus, das an das Landratsamt angebaut war, in Brand gesteckt. Keines der 24 Todesopfer wurde nur erhängt oder erschossen. Der Tod war der Abschluß - oft eine Erlösung - mehrere Stunden währender Quälereien. Auf die Vielzahl der zu anderen Strafen "Verurteilten" sei nur hingewiesen. Die ganze Zeit über, vor und nach den "Verurteilungen", durften die Deutschen von jedem Tschechen nach Belieben mißhandelt werden. Ohnmächtige wurden mit der Feuerspritze angestrahlt, um sie weiter drangsalieren zu können. Blutig geschlagene Köpfe und zerfetzte Leiber, aufgeplatzte Haut. Blut wollten die Tschechen sehen. Ein Teil der so Zugerichteten mußten sich ins Gefängnis schleppen. In die 3-Mann-Zellen wurden 19 Männer hineingepfercht; ärztliche Betreuung unterblieb. Später wurden sie nur nackt in die Zellen gelassen, damit sich keiner erhängen konnte. Denn während dieser Blutgerichtstage setzten in Landskron über 100 Personen angesichts der selbst erlittenen Greueltaten sich selbst oder der ganzen Familie ein Ende. Einzelbestattungen waren nicht möglich. Nicht eingesargt liegen sie auf dem Friedhof in einem Massengrab neben- und übereinander."

Hinweis: tschechische Ortsnamen nachträglich ergänzt

im Schönhengstgau